Ein leidiges Thema unter Mac OS X dürfte zweifelsohne das Defragmentieren sein - ein Thema, an dem sich die Geister scheiden. Ein Thema, das immer wieder durch Halbwahrheiten und Halbwissen auffällt, und eine Diskussion, die stets sehr emotional gefühlt wird. An dieser Stelle möchte ich das ganze Thema mal aufrollen, damit jeder für sich selbst entscheiden kann, wie sinnvoll das Defragmentieren unter OS X ist.
Ein paar Infos zur Fragmentierung lassen sich hier abrufen. Grob zusammengefasst ist es z.B. beim Dateisystem NTFS, das von Windows verwendet wird, so, dass Daten im Prinzip da hingeschrieben wird, wo Platz ist. Das heißt, dass eigentlich zusammengehörende Datenblöcke "aufgesplittet" werden. Das wiederum bedeutet, dass bspw. beim Zugriff auf eine umfangreiche Programm-Suite sich der Lesekopf erst alle Dateien zusammensuchen muss - eine mögliche Folge davon ist, dass der Programmstart etwas länger dauern kann, oder die generelle Geschwindigkeit und Performance des Systems beeinflusst werden. Die Defragmentierung des System-Laufwerks ist unter Windows ein adäquates Mittel, um die Systemleistung zu optimieren und die Lebensdauer der mechanischen HDD positiv zu beeinflussen. Ein geeignetes Programm für diesen Vorgang ist in Windows implementiert.
Nun scheiden sich die Geister daran, ob eine Defragmentierung unter Apples OS X auch nötig ist.
Fakt ist, dass die Dateisysteme HFS und HFS+, die Apple verwendet, von Haus aus schon so gestaltet sind, dass sie eine Fragmentierung der Datenblöcke von vornherein weitestgehend verhindern sollen. Unter "normalen" Umständen sollte eigentlich keine Defragmentierung nötig sein. Fakt ist aber, dass auch ein OS X nicht komplett frei von Fragmentierung ist!
Ein oft gehörtes Argument ist ja, OS X würde selbständig "im Hintergrund" (quasi on-the-fly) defragmentieren - was aber nur bedingt der Fall ist, da dafür gewisse Voraussetzung gegeben sein müssen, die da wären:
1. Die entsprechenden Dateien dürfen gerade nicht geschrieben werden
2. Sie dürfen nicht schreibgeschützt sein
3. Muss eine solche Datei mehr als 8 Fragmente haben
4. Muss das System schon mindestens 3 Minuten laufen
Erst dann greift die "On-the-Fly-Defragmentierung"!
Dazu kommt noch die Sache mit der Dateigröße. Zum einen greift das Hotfile-Clustering nicht bei Dateien, die größer als 10MB sind! Beim HFC werden oft benutzte Dateien in einen Bereich der Festplatte verschoben, in dem sie schneller erreicht werden können - das nur als kleine Info. Zum anderen findet die "On-the-fly-Defragmentierung" nur bei Dateien statt, die nicht größer als 20MB sind!
Das heißt, wenn man oft mit Dateien hantiert, die größer als 20MB sind, ist eine Fragmentierung definitiv gegeben.
Was bedeutet das?
Diese Tatsache bedeutet, dass es mit einer fragmentierten Platte keine Probleme geben muss, aber kann.
In meinen persönlichen Fall war es so, dass mein "Snow Leopard 10.6.8" seit einiger Zeit sehr langsam geworden war. Die meisten programme brauchten ewig zum Starten, die Performance ließ zu wünschen übrig, und allzu oft musste ich mir den "Beachball" anschauen, der fröhlich vor sich hin gekullert ist...
Natürlich habe ich alle möglichen Wartungsarbeiten durchgeführt, die Apple anbietet: Rechtereparatur, Prüfung der Festplatte auf Fehler, PRAM-Reset, Neustart etc.pp. - was alles nichts half! Geholfen hat es nur temporär was, nach kurzer Zeit verfiel das System ins alte Muster zurück.
Was mir zum Schluss noch einfiel, war die Defragmentierung. Natürlich hatte ich mir vorher alles Mögliche an Beiträgen durchgelesen, habe Kommentare von Nutzern gelesen, die die Defragmentierung von OS X von Grund auf verteufeln, andere hingegen hielten es für ein adäquates Mittel. Zum Schluss habe ich mir überlegt, es einfach mal zu probieren.
Leider ist die Auswahl an Defragmentierungs-Tools unter OS X wahrlich nciht groß, und man kommt an iDefrag eigentlich gar nicht vorbei. Jedenfalls habe ich mir das Programm kürzlich gekauft, installiert, und es förderte zu Tage, dass meine Systemplatte völlig fragmentiert war! Ich ließ die Defragmentierung, die mehrere Stunden dauerte, also durchlaufen, und nach einem Neustart offenbarte sich dann ein System, das wieder so performant lief wie am ersten Tag!
Programme öffneten sich wieder flott, und auf wundersame Weise tut auch die virtuelle Maschine ihren Dienst wieder wesentlich flüssiger und performanter. Die Optimierung ist definitv zu spüren!
Nun stellt sich die Frage: Wann macht eine Defragmentierung für mich Sinn?
Ich muss dazusagen, dass ich oft mit relativ großen Dateien arbeite, weil ich z.B. meine DVB-T-Aufnahmen schneide. Für Leute, die oft mit großen Dateien arbeiten, dürfte ein Tool wie iDefrag auf jeden Fall interessant sein.
Natürlich sollte man im Falle von Systemproblemen - sei es, dass es immer mal wieder hängt oder sich Performance-Probleme einstellen - zunächst mal die typischen "Apple-Wartungen" wie Rechtereparatur und alle möglichen Resets durchlaufen. Sollte all das nichts helfen, kann ich nur empfehlen, auch mal eine Defragmentierung in Betracht zu ziehen! Wie gesagt, bei mir hat dieser Vorgang definitiv sehr viel geholfen!
Was kann man noch tun?
Was vielleicht auch noch ganz empfehlenswert ist, ist, dass man für die großen Dateien, mit denen man regelmäßig arbeitet, eine eigene Partition erstellt. Ich habe jedenfalls festgestellt, dass die Systempartition recht schnell wieder fragmentiert ist, wenn man mit den vorgegebenen Benuzter-Ordnern arbeitet. So handhabe ich es unter Windows - und tue das nun auch unter OS X.
Hier geht's zum Diskussions-Thread zum Thema!



LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren
Lesezeichen